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Gwendoline war keine vier
Jahre alt, als sie zu uns kam. Wir hatten keine Erfahrung mit jungen Pferden
(nur vier kleine Kinder) und schafften es nicht immer, ihr die Rangfolge unter
uns klar zu machen, bzw sie probierte es einfach immer wieder aus. Bei
Spaziergängen zog sie Carl (damals 11 Jahre alt) durch die Gegend und ließ auch sonst den nötigen
Respekt oft vermissen - ohne dass sie dabei aber je bösartig war, im Gegenteil,
sie schien im Leben noch keine schlechten Erfahrungen gemacht zu haben und hatte
noch das, was wir bei Babies das Urvertrauen nennen.
Anfang Mai machten wir nach einem allzu abenteuerlichen Spaziergang von Gwendoline
und Carl spontan ein Join-Up mit ihr. Wir hatten uns schon lange intensiv mit
Monty Roberts und seinen Theorien beschäftigt. Da wir keinen Roundpen hatten, benutzten wir
unsere Koppel 22 * 24m.
Der Hintergrund eines Join-Ups ist folgender:
In freier Wildbahn werden Pferde, die sich schlecht benommen haben, von einem
ranghöheren Tier aus der Herde herausgetrieben
und solange von der Gemeinschaft fern gehalten, bis sie Demut zeigen und um Wiederaufnahme in die
sichere Herde bitten. Sie geben dabei eindeutige Zeichen: sie senken im Laufen den Kopf bis kurz
über dem Boden, lecken und kauen.
Monty Roberts nennt diesen Anschluß des Pferdes an sein Leittier "join-up".
Diese Kommunikation des Menschen mit dem Pferd in der Pferdesprache dient dem
Menschen dazu, sich wieder den nötigen Respekt zu verschaffen. Das Pferd soll
sich ihm anschließen, ihm willig folgen und sich dabei sicher und geborgen
fühlen, so wie es sich in der Herde fühlt.
Nur wenn das so ist, kann sich eine echte vertrauensvolle
Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd entwickeln. Ist der Mensch nämlich
nicht vom Pferd als Leittier anerkannt, wird das Pferd, das sich ohne Leittier
alleine gelassen fühlt, immer wieder selber Entscheidungen treffen, die dem
Menschen nicht gefallen oder sogar gefährlich sein können.
Dieses Risiko konnten und wollten wir nicht eingehen.


Carl mußte viel laufen, um
Gwendoline in den Galopp zu treiben.

Wenn sie langsamer wurde oder in
einer der Ecken hielt, trieb Carl sie gleich wieder in den Galopp, von sich weg.


Nach nicht einmal zehn Minuten
(vielleicht sogar nur nach wenigen Minuten, alles war zu aufregend, als dass wir
auf die Uhr geschaut hätten) bat
sie dann um Wiederaufnahme in der Herde: sie senkte den Kopf bis fast auf den
Boden und kaute.

So lief sie einige Runden.

Dann senkte Carl die Peitsche,
wandte die Schulter von ihr ab, und sie kam zu ihm und folgte ihm, immernoch
kauend.

Nachdem sie noch einige Runden so
über die Koppel gegangen waren, ohne Halfter, den Kopf direkt an Carls
Schulter, gingen sie noch ein Stück
draußen spazieren. Gwendoline hielt sich hinter Carl und ließ sich von ihm
führen. Nie wieder haben wir danach ernste Respektprobleme gehabt und auch kein
Join-Up mehr machen müssen.

Noch einmal haben wir aber mit der Arbeit nach
Ideen von Monty Roberts viel Erfolg gehabt.
Während Carls Dressurkurs im Mai 2008,
während dessen wir täglich Hänger fahren mußten, verweigerte Gwendoline
immer mehr den Hänger. Sie stieg senkrecht und war nicht zu halten. Auch 100 m
Rückwärtsrichten half nichts mehr. Sie kann so eigensinnig sein! Wir waren mehrfach mehr als zwei Stunden
beschäftigt, mit diversen Helfern, bevor wir sie endlich im Hänger hatten. Und mit unseren Nerven am
Ende. Wir sprachen mit vielen Leuten und lasen viele Bücher -- und kamen wieder
einmal auf Monty Roberts und das von ihm entwickelte Dually - Halfter. Ich
kaufte es, und es dauerte nur wenige Minuten des Laufens auf der Straße, bis
Gwennie das Halfter verstand und kooperierte.
Der nächste Schritt war, dass wir den Hänger auf die Koppel stellten. Rechts
war als Begrenzung der Zaun, links spannten wir ein Seil, und nach hinten war
wiederum Zaun. Außerdem entfernte ich die Mittelwand. Ich wählte einen Tag, an
dem wir nicht wegfahren wollten, und an dem ich alleine mit Gwendoline war.
Wie zuvor weigerte sie sich, überhaupt an den Hänger heranzugehen. Also
näherten wir uns dem Hänger rückwärts. Dann wollte sie wieder mit ihren
üblichen Mitteln weiterkommen, steigen, durch das Seil durchrennen.... Dank des
Halfters konnte ich sie aber bei mir halten. Und plötzlich schien sie
verstanden zu haben. Sie folgte mir in feinster Manier in den Hänger. Bekam
dort als Belohnung etwas Hafer. Viermal gingen wir so hinein und hinaus. Das
gleiche wiederholten wir am Abend.
Am nächsten Morgen stellte ich ihre Haferration in den Hänger. Sie lief
alleine hinein, ohne Halfter. Dann noch eine Wiederholung am halben Vormittag,
diesmal ohne
Hafer.
Als wir mittags dann wegfahren wollten, folgte sie mir in den Hänger, als
hätte sie nie etwas anderes gemacht.
Auch vor der Rückfahrt ging sie, ohne Begrenzungen an den Seiten an fremdem
Ort, tadellos in den Hänger.


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